Historie

Das Industriedenkmal – fichte – erlebte seit seiner Errichtung in der Blütezeit der industriellen Revolution mehr als 125 Jahre deutscher Geschichte im Wandel der Zeit.
Die historischen Gebäude waren auch die Geburtsstätte der Motorenwerke von Prof. Hugo Junkers. Am 13. Juli 1913 wurden die Junkers Motorenbau G.m.b.H. in Magdeburg gegründet. Siehe auch www.junkers.de.

Errichtet, verkauft, umgenutzt, umgebaut, zweckentfremdet, demontiert, wiederbelebt, entwickelt und saniert.

1886-1913

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1886 entwarf der Architekt und Baumeister Max Behrendt die historischen Fabrikgebäude für den Magdeburger Fabrikanten Eduard Bendel. Die ursprünglich durchgängig dreischiffigen und 120 Meter langen Gebäude, wurden im damals zeitgenössischen Industriearchitekturstil aus massivem Ziegelsteinmauerwerk, in Verbindung mit einer genieteten Stahltragkonstruktion, errichtet.

1. BendelDie Firma E. Bendel konstruierte und produzierte Gasverbrennungsmotoren, die nach dem Viertaktprinzip, auf Grundlage einer Erfindung von Etienne Lenoir, durch Nikolaus Otto entwickelt wurde. Dieser Motorentyp ist bis zum heutigen Tag die Grundlage für den Bau von Verbrennungsmotoren.

Aufgrund fehlender Nachfolge wurde das Unternehmen „E.Bendel Gasmotorenfabrik“ verkauft. Der Käufer, die Magdeburger “Ferdinand Roth Sauggasmotorenfabrik”, verlagerte den Produktionsstandort mitsamt Maschinen, Anlagen und Patenten in das Stammwerk.

1913-1919

1913 wurden die somit verfügbaren Werkhallen wiederum zur Entwicklungs- und Produktionsstätte hochinnovativen Motorenbaus. Am 13. Juli gründete hier der später legendäre Flugpionier Prof. Hugo Junkers die “Junkers Motorenbau GmbH”. In Kooperation mit dem U.S. amerikanischen Ingenieur Charles Quast gelang es ihm, Ottomotoren der ersten Generation weiterzuentwickeln.

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Downsizing, wie man es heute in der Motoren- und Automobiltechnologie nennt, vor bereits 100 Jahren.
Der 1. Weltkrieg setzte der fruchtbaren Zusammenarbeit bereits 1915 ein jähes Ende. 1919 wurde das Motorenwerk geschlossen und nach Dessau verlegt, wo die gesammelten Erfahrungen in die Konstruktion und Produktion von Flugzeugmotoren für die “Junkers Flugzeugwerke” einflossen. Prof. Hugo Junkers wurde 1933 als politisch nicht zuverlässig eingestuft und vom NS-Regime zwangsenteignet. Die „Junkers Motorenbau GmbH und die „Junkers Flugzeugwerke AG“ wurden zur Junkers Flugzeug & Motorenbau AG“ verschmolzen. Er dufte danach seine früheren Werke nicht mehr betreten und erhielt ein Aufenthaltsverbot für die Stadt Dessau. Aber sein Ruf und sein Name waren mittlerweile in der Bevölkerung von so großer Bedeutung geworden, dass nach seinem Tod 1935 in München, aus Zwecken der nationalsozialistischen Propaganda, ein offizielles Staatsbegräbnis angeordnet wurde.

1919-1935

Der Sudenburger Fabrikant Ernst Georg Becker (1878-1953).1919 – 1935 nutzte der Magdeburger Industrielle Ernst Georg Becker mit seiner “Maschinenfabrik Georg Becker & Co.”, das Gelände für die Herstellung von Transport- und Förderanlagen. Die Nähe zum Sudenburger Bahnhof war eine ideale logistische Voraussetzung für den Transport der großvolumigen und schweren Produktionsgüter.

Bis 1935 produzierte das Unternehmen in der Fichtestraße moderne Transport- und Förderanlagen. Danach erfolgte der Umzug unmittelbar an die Bahntrasse entlang der Sudenburger Wuhne. Nach der Enteignung in den Nachkriegsjahren des II. Weltkrieges wurde das Unternehmen in Volkseigentum überführt und nach der politischen Wende Anfang der 90 er Jahre privatisiert.

Die heutige FAM Magdeburger Förderanlagen und Baumaschinen G.m.b.H. ist eine der erfolgreichsten Privatisierungen nach der deutschen Wiedervereinigung. Sie ist heute mit über 1.500 Mitarbeitern einer der größten weltweit tätigen industriellen Arbeitgeber in Sachsen-Anhalt.

1935-1945

1935 – 1945 wurden die Produktionsgebäude als Patronenwerk durch die Fa. Polte GmbH zweckentfremdet. Die unsägliche starke Nachfrage nach Rüstungsgütern zu dieser Zeit, veranlasste die Fa. Polte, welche das Gelände nach dem Umzug von Becker in den benachbarten Produktionsstandort erworben hatte, die Werkshallen für die Produktion von Geschosshülsen jeglichen Kalibers umzubauen.polte-umbau

Aus dieser Zeit resultieren der ehemalige FLAK-Geschützturm, das Dampfkesselhaus mit Konstruktionsgebäude, die brandschutztechnischen Ertüchtigungsmaßnahmen, sowie der Einbau einer Galerieetage in den Werkhallen für die Installation von Drehbänken.

1945-1951

1945 wurden im Zuge der Entmilitarisierung auf Befehl der Sowjetischen Militär Administration alle Maschinen zur Rüstungsproduktion aus den Werkhallen ausgebaut, verladen und in die damalige Sowjetunion transportiert.

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Im Zuge der Neuorganisation der Wirtschaft in der Sowjetischen Besatzungszone entbrannte ein heftiger Streit darüber, wer die unversehrten Gebäude nach der Enteignung der Polte-Werke nutzen durfte und wie der Grundstücks- und Gebäudewert festzulegen ist.

1951-1991

1951 entstand in den Gebäuden der “VEB Brauerei & Kellereimaschinen”. Erfolgreich wurden hier bis 1991 Getränkeabfüllanlagen produziert, welche im Wesentlichen über die “KoKo” als Devisenbeschaffer in das Nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet (NSW) exportiert wurden.

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1981 entstand die neue große moderne 5000 qm große Produktionshalle an der Sudenburger Wuhne. 1991 wurde der sogenannte alte Betriebsteil Fichtestraße als nicht mehr erhaltungswürdig geschlossen und die Gebäude wurden dem endgültigen Verfall überlassen.

1991-2000

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Ab 2000

2000 erwarb Robert W. Janssen die mittlerweile als Industriedenkmal geschützten, stark sanierungsbedürftigen Gebäude aus der Gründerzeit, mit der Zielstellung, den ursprünglichen Bauzustand aus der Gründerzeit mit durchgehendem Mittelschiff wieder herzustellen. Dieses wurde realisiert unter Einbeziehung eines neuen Nutzungskonzeptes für die nicht mehr bedarfsgerechten Industriegebäude, mit der Maßgabe der Beibehaltung des sichtbar industriellen Charakters der zu sanierenden Gebäudesubstanz. Hierfür wurden bis zum heutigen Tag, ohne jegliche Inanspruchnahme öffentlicher Fördermittel, über 5,0 Mio € in den Gesamtkomplex investiert.

Historie

Das Industriedenkmal – fichte – erlebte seit der Errichtung in der Blütezeit der industriellen Revolution Ende des vorletzten Jahrhunderts mehr als 100 Jahre deutscher Industriegeschichte im Wandel der Zeit.

 

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